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Erstellungsdatum: 01. November 2018, 00:00 Uhr


Autor: Fritz Peterka



Am internationalen Martinusweg

 

Unterwegs auf dem Mittleren Martinusweg, Herbst 2017/Winter 2018

Fritz Peterka

 

Der Europarat zeichnete nicht nur den Jakobsweg als Europäische Kulturstraße aus, u. a. auch den Martinusweg. Wo verläuft dieser Weg mit seinen Varianten? Die Väter des Martinusweges stellen sich drei Hauptwege mit Beginn Geburtsort Szobathely (Ungarn) und Ende Tours (Frankreich) vor:

 

·„Nordweg" Richtung Bratislava

·„Mittelroute" Richtung Wien (ist Gegenstand der Begehung)

·„Südweg" Richtung Kroatien

 

In jedem Fall ist Martinus‘ Sterbeort Tours Endpunkt der drei Wege.

Nach der Gruppen-Durchwanderung der Etappe Wien-Siebenhirten - Stockerau im Herbst 2017 machten sich Anne und Fritz Peterka am 3. Februar 2018 auf den Weg, nämlich 27 km von Szombathely nach Köszeg:

 

1. Etappe: Szombathely - Köszeg, 27 km

 

Motiviert durch die 65+-Aktion der ungarischen Bahnen wurde der PKW vor dem Bhf Köszeg abgestellt und mit dem Triebwagen der Raaber Bahn in knapp einer halben Stunde zum Pilgerstartort Szombathely gefahren. Von zwei Besuchen der sehenswerten Stadt wusste ich bereits, wie der Weg stadtauswärts führt. Wir verließen uns nicht auf die mehr oder weniger vorhandenen gelben Markierungen und Wegtafeln, sondern auf die Österr. Karte 1:50.000, wo ich einen möglichen Weg durch das Gelände und die auf der deutschen Martinusweg-Homepage genannten Ortschaften zwischen Szombatehly und Köszeg eingetragen hatte. Es gelang uns recht gut, durch Straßendörfer, auf Nebenstraßen und durch das Gelände „unseren" Martinusweg zu legen. In Köszegdorozló stießen wir sogar auf die gelben Wegmarkierungen! Über sanfte Kuppen folgten wir den Markierungen und Wegtafeln bis an den Stadtrand von Köszeg, wo wir Richtung Bahnhof abbogen. Ja, vom Bhf Köszeg wollten wir bei der Fortsetzung Richtung Zsira und Wechsel nach Österreich wandern. Wir hofften, ein ebensolches Wetterglück zu haben, wie bei der ersten Etappe: Angesagt war nämlich mit 80% Wahrscheinlichkeit am Nachmittag Regen. Tatsächlich war es trocken und angenehm windstill. Lediglich verschneite Hänge grüßten vom hochwinterlichen Geschriebenstein…

 

2. Etappe: Köszeg - Zsira, 20 km

 

Bereits bei der Heimfahrt von Köszeg am 3. Februar sahen wir, dass die gelbe Martinusweg-Markierung die Umfahrungsstraße von Köszeg kreuzt. Dementsprechend leicht war der Einstieg, bald die Grenze A/H erreicht. Die Schneeauflage wurde durch tiefes Terrain abgelöst, wir hinterließen lehmige Spuren nach Olmod. Eine asphaltierte Gemeindestraße war da weitaus bequemer zu begehen. Ab Horvatzsidany wäre in der Österr. Karte eine Nebenstraße eingetragen, tatsächlich gehen wir auf einer stärker befahrenen und höher rangigen Asphaltstraße. Eine Abzweigung führt über tiefen Boden nach Peresznye. Schließlich kommen wir über die Ortschaft Repcevis nach Zsira, wo das bestellte Nachtquartier aufgeschlagen wird.

 

3. Etappe: Zsira - Deutschkreutz, 20 km

 

Eigentlich hätten wir problemlos weitergehen können. Doch die unklare Wegführung (ab der Ortschaft Und gibt es keine Markierung mehr!) Richtung Deutschkreutz und die unsichere Übernachtungsfrage ließ uns in Zsira halten.

Kaltes und klares Wetter verhieß gutes Weiterkommen ohne Morast. Bis Und war die Markierung mehr oder weniger Hilfe, danach nur mehr die Österr. Karte. Und wie bereits bei den vorigen Etappen zeigt es sich, dass die Nachführung des ausländischen Kartenanteils bei weitem nicht der Qualität des österr. Gebietes entspricht. Deshalb verzichteten wir auf eine Orientierungswanderung durch den Grenzwald mit Weiterweg über Nagycenk und Kophaza nach Deutschkreuz und gingen stattdessen über Kroatisch Minihof und Nikitisch nach Deutschkreutz. Von dort wollen wir das nächste Mal mit einem „Doppelpack" über Markt St. Martin nach Mattersburg gehen - mit guter Bahnverbindung über Wr. Neustadt nach Langenzersdorf!

 

4. Etappe: Deutschkreutz - Sieggraben, 30 km

 

Zwei Wochen nach den beiden Voretappen sind wir wieder in Deutschkreutz. Eine dicke Schneeschicht liegt auf den Feldern und Güterwegen… Gleich zu Beginn stapfen wir neben der stark befahrenen Bundesstraße Richtung Neckenmarkt. Helfer in der Not ist das burgenländische Radwegnetz, das auf geräumten Nebenstraßen Neckenmarkt mit Ritzing, Lackenbach und Weppersdorf verbindet. Der Ort St. Martin passt da nicht ganz in die sonst kritikfreie Streckenplanung und wird deshalb ausgelassen. Die Radwegtafeln zeigen über Tschurndorf und Kalkgruben zum Etappenort Sieggraben. Jahre zuvor war es kein Problem, kurzfristig ein Quartier zu erhalten. Heute gibt es lediglich eine Adresse „Urlaub am Bauernhof", die auch absehbar geschlossen wird. Wo werden die Martinuspilger übernachten…?

 

 5. Etappe: Sieggraben - Eisenstadt, 27 km

 

Der vorhergesagte Warmwettereinbruch lässt den Schnee sichtbar schmelzen. Deshalb folgen wir nicht den roten Markierungen im Sulzschnee auf den Herrentisch und nach Marz, sondern wie am Vortag der Radwegbeschilderung in den schneelosen Talort Marz. Mattersburg bleibt linker Hand, die Radwegtafeln zeigen durch die wie eine Kette aneinander gereihten Dörfer Walbersdorf, Pöttelsdorf, Zemendorf, Stöttera und Antau in den Bahnort Wulkaprodersdorf. Bis hierher war im besten Fall die Etappe geplant. Das frühlingshafte Wetter und gute Vorwärtskommen beflügelt uns, noch bis Eisenstadt zu wandern! Und das ohne Karte - war nicht geplant… Vor dem SPAR-Laden fragen wir einen Einheimischen, wie man zu Fuß nach Eisenstadt kommt. Der Tipp war goldrichtig: Feldwege führen abseits der Bundes- und Schnellstraßen an den Rand von Eisenstadt - „verpflastert" mit einem unschönen Einkaufszentrum. Die Radwegmarkierung weist zur Bahntrasse, und entlang der Geleise gehen wir zum nahen Bahnhof Eisenstadt, Ausgangspunkt der nächsten Etappe.

  

Für die Mittelroute erhielten wir diesen Pilgerausweis:

 


 

Die Beschilderung wäre ja ganz schön...

 

Dort begann unsere 2./3. Martinusweg-Etappe


Im verschneiten Grenzwald ob Köszeg

 

Das mach Spass - gefrorener Boden nach Österreich

 

Wieder in Österreich!

 

Der Martinusweg ist auch ein Kulturweg

 

Was wäre der Weg ohne Radweg-Beschilderung?!

 

"Schilderwald" nach Marz